- Investitionen in den Ausbau des Strassennetzes sind bei der Schweizer Bevölkerung umstritten. Nur 38 Prozent fordern grosse oder massive Investitionen in die Nationalstrassen. Stattdessen werden «Punktuelle Investitionen» gewünscht.
- Grossen Investitionsbedarf orten Schweizerinnen und Schweizer hingegen beim öffentlichen Verkehr.
- Eine deutliche Mehrheit von 61 Prozent findet, dass Elektroautos künftig besteuert werden sollen, wie der AXA Mobilitätstacho zeigt.
- Die grosse Infrastrukturvorlage «Verkehr ’45» des Bundesrats wird insgesamt gut aufgenommen: 61 Prozent bewerten die Vorlage aktuell positiv, nur 18 Prozent negativ.
Die Schweizer Bevölkerung steht dem Ausbau des Schweizer Strassennetzes zurückhaltend gegenüber: Nur 38 Prozent fordern grosse oder massive Investitionen in die Nationalstrassen, bei Strassen in den Städten und Agglomerationen sind es lediglich 29 Prozent. «Punktuelle Investitionen» werden am häufigsten gewünscht. Stattdessen wünschen die Schweizerinnen und Schweizer, dass bei der Kapazität der Bahninfrastruktur angesetzt wird. 62 Prozent sehen dort massiven oder grossen Investitionsbedarf. Beim öffentlichen Nahverkehr sind es 57 Prozent.
Während Investitionen in den öffentlichen Verkehr bei praktisch allen Bevölkerungsgruppen auf breite Zustimmung stossen, sind Investitionen in die Strassen hingegen deutlich umstrittener. «Dabei hängt der wahrgenommene Investitionsbedarf stark vom Verkehrsmittel ab, mit dem die Befragten im Alltag unterwegs sind», erklärt Michael Hermann, Geschäftsführer von Sotomo. «Personen, die im Alltag hauptsächlich mit dem Auto unterwegs sind, befürworten den Ausbau der Nationalstrassen, während ÖV-Nutzende diesen ablehnen. Umgekehrt finden grosse Investitionen in die Bahninfrastruktur in allen Gruppen eine Mehrheit, aber am stärksten bei den ÖV-Nutzenden selbst», ergänzt er.
Auch Elektroautos sollen besteuert werden
Der Ausbau der Schweizer Strasseninfrastruktur wird über den Nationalstrassen- und Agglomerationsverkehrsfonds (NAF) finanziert. Um genügend Geld für diesen sicherzustellen, plant der Bundesrat, künftig auch Elektroautos zu besteuern. Damit müssten Elektroautos neu – wie Verbrenner auch – einen Beitrag an den NAF und damit an die Finanzierung der Strassenverkehrsinfrastruktur leisten. Die Steuer stösst auf eine deutliche Zustimmung: 61 Prozent befürworten sie aktuell, nur 30 Prozent lehnen sie ab. Am skeptischsten ist die Wählerschaft der Grünen – derjenigen Partei, die sich bislang als einzige vorbehaltlos hinter die Pläne zur Einführung der neuen Steuer gestellt hat.
Infrastrukturvorlage «Verkehr ‘45» kommt gut an
Mit der Vorlage «Verkehr ‘45» bündelt der Bundesrat die Ausbauprojekte auf der Schiene und der Strasse in einer Vorlage. Das Projekt kommt bei der Bevölkerung bisher gut an: 61 Prozent bewerten die Vorlage gemäss aktuellen Wissensstand positiv, nur 18 Prozent negativ. Ein Fünftel hat sich noch keine Meinung gebildet. Der Bundesrat sieht vor, mit dem Projekt bis 2045 rund 24 Milliarden Franken in den Bahnausbau und rund elf Milliarden Franken in die Nationalstrassen zu investieren. Knapp die Hälfte der Bevölkerung (48 %) hält diese Aufteilung von rund zwei Dritteln für die Schiene und einem Drittel für die Strasse für gut. 30 Prozent finden, der Fokus liege zu stark auf der Schiene, 22 Prozent sehen einen zu starken Fokus auf den Nationalstrassen. «Sogar Personen, die im Alltag selbst hauptsächlich mit dem Auto unterwegs sind, sind mit dem stärkeren Fokus auf die Bahninfrastruktur mehrheitlich einverstanden», so Michael Hermann.
Die Ausbaupläne bei den Nationalstrassen bestehen aus zehn Projekten mit Gesamtkosten von 10,8 Milliarden Franken. Darunter befinden sich auch drei Projekte aus der im Jahr 2024 vom Volk abgelehnten Autobahn-Ausbauvorlage. Aktuell beurteilt die Hälfte der Bevölkerung die Ausbaupläne bei den Nationalstrassen insgesamt positiv, 36 Prozent stehen den Plänen negativ gegenüber. Bei der Bahninfrastruktur will der Bundesrat in einem ersten Schritt sieben Schlüsselprojekte realisieren. Am besten beurteilt werden der Ausbau des Bahnhofs Basel SBB (56 % positiv) und die erste Etappe des Durchgangsbahnhofs Luzern (54 %). Am wenigsten Zuspruch erhält der Grimseltunnel zwischen Oberwald und Innertkirchen (41 %).
Weiterführung des Mehrwertsteuerpromilles überraschend unbestritten
Zur Finanzierungsfrage des geplanten Bahnausbaus im Rahmen der Vorlage «Verkehr ‘45» haben die Befragten hingegen eine klare Meinung. Der Bundesrat sieht vor, das aktuell bis 2030 befristete Mehrwertsteuerpromille – 0,1 Prozentpunkte der Mehrwertsteuer, die in den Bahninfrastrukturfonds fliessen – unbefristet fortzuführen. 64 Prozent beurteilen diese Fortführung positiv, 24 Prozent negativ. «Angesichts der schlechten Zustimmungswerte der Mehrwertsteuer im Zusammenhang mit anderen Finanzierungsvorhaben, ist dieser Wert erstaunlich hoch», sagt Michael Hermann.
Über die AXA
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